2019: Familienwochenendradreise zum Lütjensee – durch den goldenen Herbst

  • Wann: Samstag 26.10.2019 – Sonntag 27.10.2019
  • Strecke gesamt: 60 km

Wir machen unsere erste kleine spontane Familienfahrradreise zu dritt. Von Hamburg radeln wir am Samstag immer durch die herbstliche Natur, bis zum Lütjensee. Hier haben wir uns ein schönes Hotelzimmer mit Seeblick gebucht. Am Sonntag geht’s auf holprigen Radwegen zurück nach Hamburg.

Mit dem Gespann rollen wir über den knisternden Waldweg.
Es geht über Stock und über Stein, dem Herbst entgegen. Der Kleine schläft seelenruhig im Anhänger.
Die Pilze sprießen aus dem feuchten Waldboden. Es riecht nach Herbst.
Nach halber Strecke gibt es die wohlverdiente Brotzeit.
Auf einer alten Bahntrasse fahren wir bis zu unserem Hotel am Lütjensee.

2019: Herbstbiwak im Buchenwald

  • Wann: Samstag 12.10.19 bis Sonntag 13.10.19
  • Wo: Buchenwälder im Rosengarten, 30 Minuten südlich von Hamburg
  • Wegstrecke: unbekannt 

Es ist mal wieder Zeit für ein kleines Abenteuer. Mit warmem Schlafsack und neuem Tarp mache ich mich im Dauerregen auf den Weg, südlich von Hamburg, in die Buchenwälder im Rosengarten.

Am späten Nachmittag starte ich meine Wanderung, auf der Suche nach einem geeigneten Biwakplatz für die Nacht. Nachdem ich ein schönes geschütztes Plätzchen finde, versuche ich mir aus herumliegenden Ästen Heringe zu basteln. Durch den Dauerregen ist das Holz aufgeweicht und die provisorischen Heringe wollen nur schlecht halten. Die umliegenden Bäume bieten einen guten Regenschutz während ich meine Unterkunft aufbaue.

Nachdem das Tarp aufgebaut ist können meine sieben Sachen ins Trockene. Die Sonne geht schon gegen 18:30 Uhr unter.

Ich koche mir aus den jungen Nadeln einer Fichte einen warmen Tee. Anschließend gibt’s noch eine große Portion Couscous. Zum Glück habe ich mir ein paar kleine Stückchen trockenes Holz zum verfeuern mitgenommen.

Als es bereits dunkel ist merke ich, dass die Batterien meiner Taschenlampe leer sind. Macht nichts, ich lege mich schon um halb acht in den Schlafsack und schlafe bis morgens um 07:00 Uhr. Das Wetter bleibt ungemütlich.

Am nächsten Morgen sind meine sieben Sachen und ich trotz Dauerregen trocken geblieben. Ich stelle meinen Topf aufs Feuer um Kaffeewasser zu machen und baue nebenher mein Lager ab. Ich verweile noch eine halbe Stunde mit meinem Kaffee unter einem Baum und mache mich dann auf den Weg zurück. 

Der Buchenwald liegt noch im Morgennebel, die Blätter sind bunt und die Luft riecht nach Herbst.

Der Buchenwald im Herbstnebel
Knisternde Schritte über den Laubboden
Biwakplatz mit Tarpaufbau
Fichtennadeltee auf dem Feuer kochen
Der Morgen danach – Ausgeschlafen und gut gelaunt auf dem Weg zurück
Morgennebel

2019: 24 Stunden zu Fuß auf dem Heidschnuckenweg mit Biwak

  • Wann: Samstag 15.09.2019 – Sonntag 16.09.2019
  • Strecke gesamt: 42 Kilometer

Vorbereitung

Am Vorabend bin ich schon total aufgeregt. Morgen möchte ich mal etwas Neues wagen, ohne Fahrrad. In aller Früh soll es mit der Bahn von Hamburg nach Handeloh gehen. Von dort aus plane ich dann in circa 24 Stunden zu Fuß die Lüneburger Heide auf einer Länge von ungefähr 40 Kilometern zu durchqueren, um dann am Morgen des zweiten Tages meine Familie in Bispingen zu treffen. Die Wanderkarten habe ich mir in improvisierte Manier mit Screenshots von der Heidschnuckenwegwebseite ausgedruckt. Ich packe meinen Koffer (Rucksack) und nehme mit: Einen Schlafsack, die neue Isomatte, einen Biwaksack, einen warmen Pullover und ein bisschen Kleinkram. Ohne Wasser und Proviant gewogen, kommt mein Rucksack auf leichte 3,8 kg.

Diesmal möchte ich es wirklich mal wagen ohne Zelt und nur mit Biwaksack loszuziehen. Bei meinen letzten Abenteuern habe ich in letzter Minute doch immer wieder mein Zelt eingepackt. Bis Sonntagmittag soll es laut Wetterbericht auch trocken bleiben. Die Temperatur soll nachts bis auf acht Grad Celsius fallen. Zecken sollen ja angeblich ab unter 8 Grad Celsius nicht mehr aktiv sein. Ich werde fest daran glauben, wenn ich mir morgen Abend einen Schlafplatz suche.

Tag 1: Handeloh – kurz hinter Niederhaverbeck (32 km)


Ich ziehe also tatsächlich ohne Zelt los. Das Abenteuer kann kommen. Um 7:00 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Bahn. Ich kaufe noch ein paar Brötchen als Wegproviant und sitze kurze Zeit später im Zug und mache mir so meine Gedanken. Es ist schon einige Jahre her, dass ich das letzte Mal eine lange Strecke mit Rucksack gewandert bin. Das typische Abenteuergefühl zwischen Anspannung, Vorfreude und diversen Schreckensszenarien geht mir durch den Kopf.

In Handeloh angekommen geht es vom Bahnhof direkt in die Natur auf den gut ausgeschilderten Heidschnuckenweg. Es sind frische 6 Grad Celsius und auf den Wiesen liegt noch der in der aufgehenden Sonne glitzernde Morgentau. Nach zwanzig Minuten komme ich durch einen beeindruckenden kleinen Urwald mit mäanderndem Bachlauf.

Tor zum Urwald
Mäandernder Bach im Urwald

Die Sonne kommt raus, ich ziehe die Jacke aus und langsam baut sich die lila Heidelandschaft vor mir auf.

Die schöne Heide und mein leichtes Gepäck

Nach 17 Kilometern mache ich gegen Mittag meine erste Pause in Underloh. Bisher sind mir nur eine Hand voll Menschen begegnet. Das kleine Underloh hingegen ist ein Rentnerausflugsparadies mit Reisebussen, Kutschfahrten und überall Kaffee und Kuchen. Ich senke den Altersdurchschnitt drastisch.

Auf dem Weg nach Underloh

Eine Portion Fritten und zwei Stückchen Kuchen später mache ich mich wieder auf den Weg. Nachdem ich meine Wasserreserven aufgefüllt habe, geht es weiter durch die Heidelandschaft. Seit Underloh sind viele Spaziergänger und E-Bikerentnerraketen unterwegs. Ich laufe durch das Radebachtal und anschließend für eine gute Stunde auf einem höher gelegenen Plateau mit weitem Blick in die Heidelandschaft. Auf dem Abschluss dieser Passage treffe ich dann tatsächlich auch noch eine große Ansammlung von Heidschnucken auf meinem Weg.

Heidschnucken in freier Wildbahn

Gegen 15:30 Uhr habe ich circa 26 Kilometer geschafft. Ich finde eine dem Fußvolk nicht zugängliche schönen alte Eiche, breite meine Isomatte aus und gönne mir eine Stunde Entspannung. Nachdem ich meine Wanderung wieder aufnehme, finde ich keine zehn Minuten später einen einladenden Biergarten in Wilsede und mache nochmal 30 Minuten Pause. So viel Zeit muss sein…

Landbier und Erbsensuppe – Prost!

Nach der Mahlzeit geht’s auf den höchsten Punkt der Lüneburger Heide. Der Wilseder Berg ist für Alpinisten wahrscheinlich nicht nennenswert, die Touristenmassen und auch ich erfreuen sich trotzdem daran.

Blick vom Wilseder Berg

Als ich den „Gipfel“ erklimme ist bereits der späte Nachmittag angebrochen und die anderen Spaziergänger machen sich nun nicht mehr auf den Weg, tiefer in die Heide hinein. So kann ich entspannt und ungestört den Rest des Tages alleine laufen, bis die Sonne anfängt unterzugehen.

Wieder alleine unterwegs

Der Sonnenuntergang bedeutet für mich jetzt auch die beginnende Suche nach einem Schlafplatz – 32 Kilometer reichen auch für heute. Da ich mich an das Verbot des Betretens der Heidefläche halten möchte, biege ich in entgegengesetzter Richtung, in einen kleinen Waldweg ein. Ich finde eine alte Scheune, die ich auch öffnen kann, entscheide mich aber weiter zu schauen, damit ich unterm Sternenhimmel schlafen kann. Kurz darauf werde ich auf einer künstlich angelegten Lichtung im Wald fündig.

Waldlichtung im Sonnenuntergang

Einzig und allein der Hochstand daneben macht mir ein wenig Sorge. Ich denke mir, wird schon passen und schlage mein Lager auf. Ich verdrücke noch ein Stück Mirabellenkuchen von heute mittag, betreibe Körperpflege, inklusive Trockendusche und lege mich dann erschöpft und zufrieden in den Schlafsack und gucke in die Vollmondnacht.

Biwak

Schon halb schlummernd werde ich durch einige entfernte Gewehrschüsse geweckt. Als ich dann noch zwei Taschenlampen und Stimmen wahrnehme, wird es mir dann doch zu heikel. Es ist gerade Jagdsaison in Niedersachen. Ich packe kurzerhand, heimlich still und leise, meine Sachen zusammen, rolle mein Biwaksystem auf und schleiche mich mit meinem roten Nachtlicht davon, in Richtung Scheune. Ich versuche so geräuschlos wie möglich durchs knackende Unterholz zu Tapsen, damit mich die Jäger nicht hören und mich als Rotwild deklarieren. Ich finde nach ein paar Minuten den Weg zur Scheune zurück.

Auf Stroh gebettet

Tag 2: Niederhaverbeck – Braunausee (10 km)


Irgendwann am frühen Morgen sinkt die Temperatur und es wird kalt. Ich ziehe alle meine Klamotten an und versuche noch ein wenig zu schlafen. Gegen 7:00 Uhr stehe ich auf, packe zügig zusammen und mache mich wieder auf den Weg.

Die alte Scheune am Morgen

Am Horizont geht die Sonne auf und es ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Ich laufe mit guter Laune durch die einsame Behringer Heide bis an mein Ziel, den Brunausee.

Sonnenaufgang über der Heide

Auf einer Bank entspanne ich noch eine halbe Stunde, bis dann um kurz nach 09:00 Uhr meine Familie eintrifft. Meine Frau, mein Sohn und ich verbringen den Rest des Tages noch gemeinsam in der Lüneburger Heide.

Gelerntes:

  • Der Heidschnuckenweg ist ein super Wanderweg, direkt vor der Haustür. Es gibt noch weitere schöne Etappen. Das schreit doch nach Wiederholung.
  • Ich hatte kein Rendezvous mit Zecken. Entweder es gab keine in der Lüneburger Heide oder die Acht-Grad-Theorie stimmt tatsächlich.
  • In regelmäßigen Abständen gab es Leitungswasser und Verpflegungsmöglichkeiten. Es war die richtige Entscheidung, meine Konserven und Kocher zuhause zu lassen. Nur hin und wieder mal einen Kaffee selbst köcheln habe ich vermisst. Ich hatte auf der Wanderung genug Zeit mir Gedanken über ein platzsparendes und leichtes Kaffekochset in Selbstbauweise zu machen. Der neue Gerät werde ich das nächste mal verproben.
  • Wandern geht immer! Auch ohne Training und ohne Wanderstiefel waren 32 Kilometer ohne Quälerei machbar. Zum Glück hatte ich Alleskönnertape dabei um meine zwei Blasen zu verarzten.
  • Die neue Isomatte (Thermarest Z-Lite) hat sich bewährt: Leicht, schnell, warm, günstig, unkaputtbar, als Sitzkissen nutzbar und halbwegs bequem
  • Der Wanderweg ist Mountainbike geeignet. Ich nehme mir vor, noch einmal die gesamte Strecke (223 km) in zwei bis drei Tagen zu beradeln. Vielleicht sind ja die Brunsis auch dabei 😉 ?

Daumen hoch für den Heidschnuckenweg!

2019: Wochenendtrip an die Nordsee – von Mundraub und Naturgewalten

  • Samstag 31.08.2019 bis Sonntag 01.09.2019
  • Strecke gesamt: 275 km
  • Streckenabschnitte: Hamburg – Cuxhaven – Hamburg

Ich wollte schon seit Längerem mal endlich den letzten Abschnitt des Elberadwegs zwischen Hamburg und Cuxhaven befahren. Am Freitag überlege ich mir relativ spontan am nächsten Morgen gen Norden zu radeln. Die anhaltende Hitzewelle lädt sowieso zu einer Abkühlung in der Nordsee ein. Am Vorabend packe ich meine sieben Sachen zusammen, pflege mein Fahrrad und freue mich auf den nächsten Tag.

Tag 1: Hamburg nach Cuxhaven und noch ein Stück weiter (150 km)

Um 8:00 Uhr schwinge ich mich aufs gepackte Rad, stecke noch vier Bananen in meine Lenkertasche, schmeiße mein Wahoo an, lege kräftig Sonnencreme auf und ab geht der D-Zug. Hamburg schläft noch und ich denke mir „Morgen Stund hat Gold im Mund“ – oder so ähnlich. Schnell bin ich am schönen leeren Hamburger Elbufer und düse kurze Zeit später an den Airbuswerken am gegenüberliegenden Ufer vorbei. Das Rad rollt spitzenmäßig und ich kann ohne Anstrengung 25 km/h halten. Das Wetter ist bombenmäßig und es ist bisher auch noch nicht zu heiß. So geht’s die ersten 60 Kilometer happy bis nach Glückstadt. Die Wartezeit am Fähranleger kommt mir dann auch gelegen. Ich verweile eine Viertstunde bei einer Tasse Kaffee.

Als ich auf die Fähre rolle ist die Temperatur bereits auf über 30 °C gestiegen. Super, dass ich meine neue Rennradkappe dabei habe. Nachdem ich diese Kappen vorher irgendwie immer ein bisschen albern fand, verstehe nun auch deren Zweck: Nass machen und den Kopf kühlen und den Schirm je nach Schattenbedarf hoch oder runter biegen.

Auf der Fähre von Glückstadt nach Wischhafen

Auf der Westseite der Elbe angekommen flüchte ich erstmal in den Schatten und lege ein zweites mal Sonnencreme auf. Ein netter Opi verweilt hier auch gerade im Schatten und bietet mir eine frische Birne an, die er gerade gepflückt hat. Eine seiner Satteltaschen ist gefüllt mit den leckeren Früchten. Nachdem wir ins Gespräch kommen, sage ich ihm, dass ich Hemmungen hätte den Bauern das Obst von den Bäumen zu klauen. Er belehrt mich, dass „Mundraub“ erlaubt sei und nicht gegen das Gesetz verstoße. Ob das so stimmt sei dahingestellt… Also naschen wir noch eine zweite Birne und verabschieden uns. Er wünscht mir „einen schönen Lebensabend“, bevor er mit seinem E-Bike davonbraust.

You’ve got the whole world in your hands…

Mit modischer wassergetränkter Rennradkappe fahre ich am imposanten Kernkraftwerk Brockdorf vorbei. Für fast zwei Stunden sehe ich so gut wie keine Menschenseele, geschweige denn Wohnhäuser. Die Sonne brennt und meine Wasservorräte gehen zur Neige. Ohne die obercoole Kappe wäre ich heute verloren. Die Hitze ist kaum mehr auszuhalten. Mein Kompagnon Christian würde bei hiesigen klimatischen Zuständen bereits von „Brutzeltechnik“ sprechen und mein Kompagnon Erik hätte sich ohne Sonnencreme bereits in ein weiß-rotes Marshmallow verwandelt. Es ist nun bereits über 30°C und es ist weit und breit kein Schatten und keine Wasserquelle in Sicht. Langsam setzen die Kopschmerzen ein. Anhalten in der Sonne hilft aber nicht, also weiter fahren und den Fahrtwind so gut wie möglich wirken lassen.

Brutzeltechnik

Nach einer gefühlten Ewigkeit fahre ich an einem kleinen Häuschen vorbei. Davor gießt eine alte Frau gerade ihre Blumen mit einem Gartenschlauch – Jackpot! Ich bitte sie mir die Trinkflaschen mit Wasser zu füllen und sie hilft mir gerne. Sie schlurft zum Wasserhahn um den Schlauch abzuziehen. Der Schlauch klemmt, also zieht sie ein bisschen fester dran. Plötzlich knallt der Schlauch ruckartig ab und der Restdruck schießt ihr voller Karacho ins Gesicht. Ich kann mir das Lachen nur schwer verkneifen. Sie nimmt’s zum Glück auch mit Humor.

Die letzten Kilometer sind aufgrund der starken Hitze dann recht anstrengend. Normalerweise würde ich mich an eine der unzähligen Elbstrandbars setzen und ein Kaltgetränk genießen, aber die Rezeption meines anvisierten Campingplatzes „Wattenlöper“ schließt laut Website bereits um 18:00 Uhr, weshalb ich zügig voran kommen möchte um einen Platz direkt am Meer zu ergattern. Die Strände und Buchten vor Cuxhaven sind wirklich schön aber mir brennt gerade die Rübe weg…

Gegen 17:30 Uhr komme ich dann mit guten Beinen aber dickem Kopf nach 140 Kilometern in Cuxhaven an. An den Stränden, in den Straßen, auf den Radwegen: Überall quetschen sich die Touristen. Die Strände an der Kugelbake wirken auf mich wie ein Ameisenhaufen, irgendwie ungemütlich. Ich denke mir, wenn erstmal das Zelt steht und es Abend wird, dann wird schon nicht mehr so viel los sein. Im Dicke-Touristen-Slalom geht es dann die letzten Kilometer zum Campingplatz Wattenlöper. Als ich die Rezeption betrete schaut mich die freundliche Dame mit großen Augen an und fragt „ob ich das Schild nicht gelesen hätte“. Ich: „Nein, aber ich würde gerne eine Nacht bei ihnen mein Zelt aufschlagen“. Sie dann: „Da steht aber wir sind komplett ausgebucht!“ Ich wieder: „Da vorne und hier und dort drüben ist doch noch ausreichend Platz für mein Einpersonenzeltchen.“ Sie erklärt mir, dass es ein Kontingent gäbe und außerdem in der Umgebung auch bereits alles ausgebucht sei. Wir verabschieden uns und ich gehe nebenan Eis essen. Mich stört die Ausbuchung eigentlich überhaupt nicht weiter. Beim Eis habe ich in meinem Kopf schnell einen neuen Plan geschmiedet: Ich suche mir einfach meinen privaten Campingplatz – kleines Abenteuer inklusive. Literaturtechnisch könnte man diesen Gedanken als epische Vorausdeutung oder als „Foreshadowing“ bezeichnen…

Zack, also neue Route auf den kleinen Wahookumpel geladen und ab geht’s wieder rauf aufs Rad, in Richtung Süden, weg von der Elbe, mit der groben Richtung: Stade, altes Land, Hamburger Süden. Jetzt noch Verpflegung für den Abend und den nächsten Morgen besorgen und das Abenteuer kann beginnen. Nach schnellem Einkauf bei Aldi fahre ich auf richtig schönen einsamen kurvigen Singletrails mitten in der Natur, vorbei an Pferden, Rehen und Feldhasen. Die Beine sind frisch und ich fühle mich als ob ich noch ewig weiterfahren könnte. Es gibt mögliche Wildcampingspots noch und nöcher. Als die Sonne dann kurz vor dem untergehen ist, finde ich ein kleines Wäldchen in dem ich die Nacht verbringen möchte.

Es sind nach wie vor an die 30°C und Wetteronline prognostiziert mir eine trockene sternklare Nacht. Um das Naturerlebnis voll auszukosten und nicht im Zelt einzugehen, möchte ich unter freiem Himmel nächtigen. Ich suche mir ein schönes Plätzchen, breite meine Unterlage und meinen Kram aus, gönne mir eine Trinkflaschendusche und lasse mir anschließend das Abendessen schmecken.

Privater Campingplatz

Beim Essen krabbeln mir einige Zecken über meine Arme und Beine und ich entscheide mich daher dann halt nur mein Innenzelt aufzubauen. Gesagt getan und ich befinde mich in Mitten eines insektenfreien Naturerlebnisses. Ich lege mich auf meine leider undichte und platte Luftmatratze, schaue in die Baumkronen und lausche was so alles im Wald passiert, während es so langsam dunkel wird. Es ist mächtig was los im Wald: Rascheln, Tapsen, Knistern und mir unbekannte Tierlaute. Trotz der Steinchen und Stöcker in meinem Rücken schlafe ich vom Klang des Waldes ein.

Blick aus meinem Innenzelt in die Baumkrone

Plötzlich erwache ich und ich habe das Gefühl ich bin in einer Technodisko. Im Sekundentakt lassen Blitze am Horizont den dunklen Himmel erhellen. Im Wald ist es nun auf einmal unheimlich still. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass dies irgendwie kein gutes Zeichen sei. Ich schaue auf die Uhr, es ist kurz nach Mitternacht. Ich mache mich schnell raus aus den Federn und baue in der durch Blitze erhellten Nacht das Außenzelt auf. Dann schnell wieder rein und die Zecken von den Beinen sammeln. Ich checke erneut Wetteronline und dann wird’s krass…

Feuer frei…

Es zieht ein Gewitter über meinem Kopf auf. Ein Sturm setzt ein und wird von Sekunde zu Sekunde lauter. Der Wind fängt an die Bäume und mein Zelt durchzuschütteln. Die ersten kleinen Ästchen fallen auf und neben das Zelt. Aus Ästchen werden dann richtige Äste. Ich bin total angespannt und zucke jedes mal zusammen wenn es neben mir einschlägt. Ich eruiere meine Möglichkeiten: Weit und breit kein Unterschlupf, nur Flachland mit Wald oder nassen Wiesen. Dann setzen Blitz und Donner ein. Ich liege zusammengekauert im Zelt und zähle die viel zu wenigen Sekunden zwischen Licht und Knall. Dazu prasselt dann in einem Grande Finale noch sintflutartiger Regen runter und die Temperatur fällt dramatisch ab. Das starke Gewitter hält fast eine Stunde an und klingt dann anschließend mit noch mehr Regen ab. Als das Gröbste vorbei ist und es nur noch regnet, fällt die Anspannung dann wohl wieder von mir ab und ich Klopfe dreimal auf Holz. Ich merke erst, dass ich eingeschlafen bin, als ich aufwache und der Wald die vertrauten Geräusche von sich gibt. Ein Blick auf die Uhr – oha, schon 06:30 Uhr.

Der Morgen danach im Stealthmodus

Tag 2: Irgendwo im Wald – nach Hamburg (125 km)

Ich erhebe meine steifen kalten Glieder. Ich brauche dringend eine neue Isomatte. Dann stehe ich schnell auf, packe alles zusammen, stopfe mein nasses Zelt und das Gerödel in meine Packtaschen und bin 20 Minuten später schon wieder on the road. Es ist recht frisch, aber eine feine Luft umhüllt die Ausläufer des Waldes. Die Wege sind voll mit Astwerk, das vom Gewitter losgerissen wurde. Ich denke erneut an die Nacht – alter Schwede, wat en Abenteur! An einer kleinen Dorfkirche finde ich eine gemütliche Bank und frühstücke die Reste vom Vorabend. Es bläst ein frischer Wind und hin und wieder kommen ein paar Tröpfchen vom Himmel.

Mein Weg führt mich über idyllische kleine Wege, alte Straßen und verschlafene kleine Dörfer. Nach den ersten 45 Kilometern mache ich um 10:00 Uhr eine große Frühstückspause in Hemmor um mich wieder aufzuwärmen. Der Himmel ist zugezogen und ich habe nur unzureichende Sommerkleidung dabei. Ich bin froh, dass ich mit vollem Mund in einer warmen und trockenen Bäckerei sitze, während draußen der Regen runtergeht.

Als der Regen vorüber gezogen ist, geht’s weiter von Dorf zu Dorf. Für fast zwei Stunden sehe ich fast keine Menschenseele. Komoot hat mit eine echt schöne Route ausgespuckt und mein Wahookumpel leitet mich tadellos. Über alte Alleen rolle ich in das von vollen Apfelbäumen gesäumte alte Land. Als ich dann irgendwann wieder auf die Elbe treffe, sind schon 90 km geschafft. Es ist 13 Uhr, also ist Zeit für eine kleine Mittagspause. Ich finde ein schönes kleines Stück Elbstrand. Fern am Horizont sehe ich schon die ersten Hamburger Hafenkräne.

Mittagsbrötchen im Schnabel

Anschließend lachen mich die vielen reifen Äpfel der unzähligen Apfelbäume an und ich begehe fünffachen Mundraub – einmal für jetzt, viermal für zuhause.
In Hamburg angekommen nehme ich die Fähre rüber nach Teufelsbrück und radle dann entspannt die letzten Kilometer auf meiner gewohnten Route nach Hause. Kurz vor 16:00 Uhr stehe ich nach 125 km vor meiner Haustür.

Life is good!

Apfelplantage im alten Land
Ol‘ Country

Gelerntes:

  • Es ist der Wahnsinn was man alles in 48 Stunden erleben kann.
  • Nicht von einer extern aufgezwungenen Ankunftszeit hetzen lassen, sondern lieber Eis essen gehen.
  • Trendige Rennradkappen haben tatsächlich eine super Funktion. Die Hipsterkappe nehme ich jetzt immer mit.
  • In der Umgebung von Kernkraftwerken findet man sicherlich viele abgelegene Wildcampingspots aber nichts zu trinken.
  • Vertraue niemals Wetteronline! Ich verstehe jetzt die Geschichte die angeblich dazu führte, dass Martin Luther Mönch wurde.

Statistik:

Tag 1
Tag 1 Temperaturkurve
Tag 2

2019: Erzgebirgs Bike Marathon in Seiffen

Ein Jahr ist schon wieder rumgegangen und der Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen steht wieder an. Mit 0 (in Worten „Null“) Mountainbiketrainingskilometern wage ich es dieses Jahr unvorbereitet an den Start zu gehen. Meine Bestzeit vom Vorjahr liegt gefühlt in unantastbarer Ferne. Meine Straßenkilometer aus dem norddeutschen Flachland müssen dieses mal ausreichen.

Wir reisen schon zwei Tage früher an und nutzen den Vortag des Rennens für eine kurze Testfahrt über die Rennstrecke und um letzte Einstellungen an unseren Bikes vorzunehmen. Bei der Testfahrt denke ich mir, dass Mountainbiken im Gelände ohne die Rennsituation mit vielen Mitstreitern auf der engen Strecke auch sehr viel Spaß macht. Es wäre sicherlich toll mal ein reines MTB Wochenende mit verschiedenen Trails in der Natur zu machen. (Merker! )

Vor dem Rennen ist das Rad noch sauber

Den Rest des Samstages verbringen wir im Kreise der Familie, schauen die Bike Expo an und probieren die Sommerrodelbahn aus. Das ist bei nasser Strecke ganzschön heikel! Abends veranstalten wir unsere eigene kleine Nudelparty in unserer Ferienwohnung.

Expo

Race day

Jetzt geht’s los. Das Wetter sieht stabil aus. Nach einem ausgewogenen Frühstück fahren wir runter durchs Dorf und reihen uns in unserem Startblock ein. Die vielen Biker, Zuschauer und der sächsische Anheizer am Mikrofon verbreiten Gänsehautstimmung. Als dann der Countdown und die EBM-Hymne zum Start erfolgt verspüre ich grenzenlose Energie. Dieser Energieschub wird am ersten harten Anstieg in der Einführungsrunde wieder zurück auf den Boden der Tatsachen gebracht. Jetzt heißt meine simple Maxime: Kraft für die schwierigen Trails und harten Anstiege aufheben und einfach nur bis zum Ziel durchhalten. Ich finde eine gute kleine Gruppe mit der ich die ersten 8 Kilometer im Windschatten mitfahre.

Noch lache ich…

Nachdem die Einführungsrunde das Fahrerfeld entzerrt hat geht es auf die Single Trails ins Gelände. Es rollt gut und ich bin schnell unterwegs. Wie im Tunnel ist dann schon die Hälfte des Rennens geschafft. Am Verpflegungspunkt fülle ich meine Trinkflasche auf und merke hier, schon viel zu früh, dass nicht mehr so viele Körner in meinen Beinen stecken. Ich schalte einen Gang runter und hänge mich in den nächsten harten Steigungen an eine fitte Radlerin ran. Es sind noch 15 Kilometer zu fahren und meine Beine fangen an zu brennen. In der hinteren Hälfte des Rennens verliere ich einige Plätze die ich mir am Anfang erkämpft habe.
Am letzten harten Anstieg „Alp de Wettin“, kurz vor dem Ziel, dann der Supergau – Krämpfe in beiden Beinen. Mir bleibt nicht viel übrig als mich vom Rad plumsen zu lassen und ein paar Minuten die Beine durchzuschütteln. Dann Zähne zusammen beißen und langsam weiter. Den letzten Kilometer rolle ich mehr schlecht als recht ins Ziel und bin froh, dass ich unbeschadet durchgekommen bin. Ich freue mich, dass ich trotz des ungeplanten Halts unter drei Stunden geblieben bin und auch keine Panne oder Unfall hatte.

Endlich im Ziel angekommen

Im Ziel warten dann Nudeln, Kuchen und Getränke auf uns – und natürlich wie jedes Jahr das legendäre Zielfoto.

Zielfoto

Den Rest des Tages verbringen wir mit Fahrrad putzen, Ausruhen und noch ein paar lustigen Runden auf der Sommerrodelbahn. Abends gibt’s zum Abschluss noch Pizza und Brettspiele.

Fazit
Auch dieses Jahr hat es sich wieder gelohnt. Es herrschte eine tolle Stimmung bei diesem schönen kleinen Event. Beim Rennen ging es unter den Fahrern sehr fair und rücksichtsvoll zu.
Es wurde mal wieder mehr als deutlich: Ein Radrennen durch die Berge ist doch ein anderer Schnack als Kilometer schruppen im Hamburger Flachland.

Bis zum nächstes Jahr in Seiffen – dann aber mit richtigem Training (wirklich ;-))

Auswertung

*ich habe vergessen meinen Fahrrad computer im Ziel umgehend auszuschalten.

*

2019 Kattegatleden – Schweden

Wann:

  • 18.05.2019 bis 26.05.2019

Strecke gesamt:

  • 740 km

Streckenabschnitte:

  • Hamburg – Travemünde (120 km)
  • Trelleborg – Göteborg (520 km) 
  • Kiel – Hamburg (100 km)

Bildschirmfoto 2019-05-31 um 12.20.57

Let’s go

Die Vorfreude ist groß. Wie bereits in den letzten drei Jahren unternehme ich mit meinem langjährigen Schulfreund Christian ein kleines Fahrradabenteuer. Nach der Deutschlandtour 2017 und Tschechien 2018 wollen wir diesmal eine Woche durch Schweden über den Kattegatleden fahren. Die Prämisse der Tour soll diesmal heißen: Nicht so viele Kilometer heizen wie sonst, sondern mehr Kaffee kochen und an schönen Orten auch mal einen Moment verweilen. Dieses Jahr sind wir auch nicht ultraleicht unterwegs, sondern mit Zelt, Regenausrüstung und Kochutensilien. Die Fähren von Travemünde nach Trelleborg und von Göteborg nach Kiel sind gebucht, die Packliste ist finalisiert. Es kann endlich losgehen.Beim Packen dann Ernüchterung – wie bekomme ich die ganze Ausrüstung auf mein Carbon MTB geladen? Die bikepacking Taschen sind einfach nicht ausreichend. In meinem Kopf hatte das doch alles funktioniert? Auf den letzten Touren haben wir nicht gezeltet, natürlich… Trotz ultraleichter Ausrüstung passt es vorne und hinten nicht. Also umgehend den alten Trekkinghobel und die klassischen Ortlieb Seitentaschen mobilisieren. Damit fällt dann auch zum Glück das nervige „Gestopfe“ weg. Da es uns dieses Jahr nicht auf Tempo ankommt wird es mit dem Trekkingrad schon irgendwie passen.

Tag 1 – Hamburg – Heidmühlen (50 km)

Die Taschen sind gepackt, das Rad steht bereit. Heute sind erstmal nur entspannte 50 km geplant da ich erst nachmittags los komme. Das Ziel ist ein Wildcampingplatz den ich auf der Webseite von Wildes Schleswig-Holstein gefunden habe.Die Route führt mich zuerst durch den dichten Hamburg-Barmbeker Verkehr über Norderstedt und dann endlich ins Grüne, über Dörfer und Felder. Tolles Gefühl endlich mal wieder rauszukommem. Das Rad rollt gut und ich komme nur kurze Augenblicke später, ohne Pause, auf dem Wildcampingplatz an. Wider Erwarten ist hier ganz schön was los. Mehrere andere Autocamper, Wanderer und Jugendliche aus den Niederlanden haben auch ihre Zelte aufgeschlagen. Ich verbringe einen schönen Abend am Lagerfeuer mit Chris und Darlyn, zwei sehr netten Polizisten aus Hamburg.

Tag 2 – Heidmühlen – Travemünde (70 km)

Um 05:30 Uhr werde ich durch Vogelgesang geweckt – lange nicht mehr gehört… Heute erwartet mich wieder nur eine kurze Strecke. Daher habe ich viel Zeit und kann alles mal ganz entspannt angehen. Mein Plan: Lesen, Kaffee kochen und bis mittags einfach ein bisschen in der Natur relaxen. Mein Tagesziel heißt heute Travemünde, wo um 22:30 Uhr unsere Fähre abfahren wird. Hier werde ich dann auch meinen treuen Wegbegleiter Christian treffen, der mit dem Zug aus Berlin anreist.Bis mittags kann ich dann doch nicht mehr warten. Die Straße ruft, und so mache ich mich gegen 09:00 Uhr auf den Weg. Nach der ersten Stunde radeln lege ich eine kurze Pause in Bad Segeberg ein. In einer kleinen gemütlichen Bäckerei mit Klavier und Aquarium nehme ich genüsslich mein zweites Frühstück ein, lade mein Handyakku und schreibe an diesem Text.

Weiter geht’s – heute habe ich es wirklich nicht eilig und ändere daher immer mal wieder spontan die Route wenn mir ein kleiner Waldweg oder ein anderer Radweg besser gefällt und ich verweile auch kurz an interessanten Orten. Der Wind bläst kräftig über die Felder, natürlich in die falsche Richtung. Zum Glück kommt hin und wieder mal die Sonne raus. Ich fahre entspannt durchs Land, schau mal nach hier und dort und komme nachmittags an der Ostsee an. Ich fahre eine große Schleife, schaue mir noch das Brodtener Steilufer an und Rolle dann langsam Richtung Süden, immer am Meer entlang.

Irgendwann in Travemünde angekommen, suche ich mir ein ruhiges Plätzchen und döse ein bisschen vor mich hin, bis ich dann endlich Christian um 20:30 Uhr vom Bahnhof abhole. Schnell zur Fähre und auf geht’s nach Schweden.

Tag 3 – Trelleborg – Barsebäck (75 km)

Die Lautsprecherdurchsage in unserer Kabine reißt uns aus dem Schlaf. In 30 Minuten legt die Fähre an. Wir packen unsere sieben Sachen zusammen, beladen unsere Fahrräder und rollen kurz darauf zusammen mit unserem neuen Radfahrerbuddy Martin von der Fähre runter und betreten schwedischen Boden. Nach kurzer Verabschiedung machen wir uns auf den Weg nach Malmö, wo wir Christians Schwester Natalie treffen. Natalie hat ein schönes Café rausgesucht. Wir sitzen recht lange dort, trinken zwei Tassen Cafe und essen Kardemumma Snorra. Anschließend cruisen wir noch gemeinsam ein Stück durch Malmö bis wir uns verabschieden.

Wir wären gerne noch länger in Malmö geblieben. Ist wirklich schön dort.

Weiter geht’s Richtung Norden, immer am Meer entlang. Wir haben 25 Grad Celsius und Rückenwind. Der Raps blüht. Besser geht’s nicht mehr.

Gegen 17:00 Uhr decken wir uns nochmal mit ausreichend Wasser und Snacks ein um dann anschließend nach einem geeigneten Wildcampingplatz Ausschau zu halten. Gesagt getan – neben einem Kernkraftwerk ist nicht viel los und wir finden ein nettes Plätzchen mit Meerblick. Wir kochen eine Kleinigkeit, trinken ein Bierchen und bauen dann die Zelte auf. Christian baut zum ersten mal sein nagelneues Zelt auf und findet gerade noch den Dreh raus.

Wir lassen den Sonnenuntergang am Strand ausklingen und entdecken noch drei alte Bunker.

Tag 4 – Barsebäck – Mölle (90 km)

Wir wachen wieder früh vom Vogelgezwitscher auf. Als erstes gibt’s einen frisch aufgebrühten Kaffee. Wir sind gut ausgestattet. In der Nacht hat es geregnet, darum müssen wir die Zelte feucht zusammenpacken. Die Stimmung ist gut, wir freuen uns auf den Tag. Wir sagen noch Tschüß zu Homer, Carl und Lenny und machen uns auf den Weg.

Heute rollt es wieder gut. Wir fahren erst einen abenteuerlichen off-road Wanderweg entlang der Küste, der fast unsere Gepäcktaschen abwirft. Nach den ersten 30 Kilometern machen wir ein Kaffeestop in Landskrona. Es gibt natürlich wieder Kardemumma Snorra. Der Möwe schmeckt’s auch.

Nach unserer kleinen Pause rollen wir aus der Stadt und machen noch einen kleinen Abstecher zur alten Festung. Danach verfahren wir uns einige male und enden auf einem Wandertrail. Die Räder müssen wir hoch schieben und wir sammeln einige hundert Höhenmeter. Runter geht’s mit Karacho, dass uns die Tränen in die Augen schießen. Getreu nach unserem heutigen Motto: „Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück“, kommen wir hungrig in Helsingborg an. Bei asiatischer haute quisin (take away) chillen wir im Yachthafen und lassen uns die Sonne auf die stählernen Radler Beine brennen.

In Helsingborg beginnt auch unsere eigentliche Tour – der Kattegatleden. Der Weg ist sehr verständlich ausgeschildert und die Fahrbahn fühlt sich wie eine Rennstrecke, entlang der immer schöner werdenden Küste, an. Wir haben wieder Sonne ohne Ende und es ist obendrein auch noch windstill.

Gegen 19:00 Uhr halten wir an einer Holzbank und jeder von uns macht sich wildwestmäßig eine Dose Baked Beans auf dem Campingkocher warm. Dazu gibt’s Dosenbier. Der Tag kann eigentlich nicht noch besser werden – wird er aber, als wir unseren Schlafplatz für die Nacht finden. In einer einsamen Bucht, am Rande einer imposanten Felsformation, bauen wir unsere Zelte auf einem alten Bunker mit Meerblick auf. Wir improvisieren mit Steinen da wir auf Beton campieren.

Zum Abschluss des Tages springen wir ins kalte Meer, genießen die letzten Sonnenstrahlen und erfreuen uns unseres Lebens.

Tag 5 – Mölle – Torekov (75 km)

Der Tag beginnt heute sehr früh. Gegen fünf Uhr morgens werden wir von der Natur geweckt, stehen kurz danach auf und packen als erstes unsere Zelte zusammen. Wir wollen nicht von den ersten Badegästen erwischt werden, da wir in einem belebten Naturschutzgebiet campieren, in dem Zelten verboten ist. Wir haben recht zügig die ersten Kilometer gesammelt und genehmigen uns ein zweites Frühstück. Christian kauft sich eine neue Sonnenbrille.

Nach dem zweiten Frühstück bekommen wir ein paar leichte Regentropfen ab. Alles in allem ist es heute aber wieder warm. Wir fahren jetzt nicht mehr direkt am Meer, wodurch sich die Landschaft stark ändert. Ich finde es es am Meer schöner. Christian mag die wellige Landschaft, weil er nach den Anstiegen wieder in Aeropoisiton runterballern kann. In Ängelholm machen wir eine „Fikapaus“ (Kaffepause) und ich bestelle zum ersten mal auf schwedisch: „Jag ska ta en kardamommabulla och et cappuccino meed havredryk“. Ich bekomme die gewünschte Schnecke und einen Cappu – passt. Anschließend essen wir noch ein Eis.

Dann geht es weiter durch die brennende Mittagssonne. Als wir zehn Kilometer hinter Ängelholm einen verlassenen Sandstrand mit öffentlichen Toiletten sehen, entscheiden wir uns spontan dazu jetzt unsere Wäsche zu waschen und die Trockenzeit mit einem erfrischenden Bad zu überbrücken.

Leider zieht der Himmel dann zu und wir müssen unsere nassen Klamotten am Fahrrad festzurren. Es entwickelt sich ein starker Regen. Wir haben Glück und finden rechtzeitig einen bequemen Unterstand in dem wir circa eine gute Stunde lang ausharren, Wäsche trocken, unsere Powerbank aufladen, Nickerchen machen und Kaffee kochen.

Nachdem wir ausgiebig entspannt haben und der Regen abgeklungen ist, machen wir uns auf den Weg nach Torekov um Verpflegung für den Abend einzukaufen. Danach suchen wir uns ein schönes Plätzchen in einem idyllischen Hafen und hauen kräftig rein.

Wir fahren dann noch einige Kilometer in den Abend hinein, bis wir auf einer Anhöhe in der Nähe unserer Route einen perfekten Campingspot entdecken. Jemand wusste, dass wir auf gut Glück genau diesen unscheinbaren Hügel erklimmen und hat schonmal ein sauber angemessenes Quadrat in die Wiese gemäht (?!) – gut für uns.

Tag 6 – Torekov – Gullbrandstorp (75 km)

Heute schlafen wir mal aus. Gegen acht Uhr stehen wir so langsam auf, Frühstücken und trinken Kaffee. Das Zusammenpacken dauert länger und wir kommen erst kurz nach elf Uhr los. Es geht gleich mit ein paar ordentlichen Höhenmetern los. Anschließend schießen wir eine lange Abfahrt herunter. Wir erreichen fast 70 Kilometer pro Stunde. Es ist neblig und wir erwarten Regen – aber noch ist es trocken. In Skummeslöv machen wir Fikapaus und kommen mit einem freundlichen älteren Ehepaar ins Gespräch.

Die Küste wird schroffer uns es kühlt nach und nach ab. Jetzt fühlt es sich mehr nach Norden an – „Die Wache beginnt, Jon Schnee“…

Meine Beine sind heute ziemlich müde. Nach 50 Kilometern machen wir nachmittags gegen 15:00 uhr unsere Mittagspause in Halmstad. Wir speisen in einem großen Foodcourt, der Teil eines Einkaufszentrums ist. Das ist ein krasser Gegensatz zu unserem Aufenthalt in der Natur. Nach einer ordentlichen Mahlzeit geht’s weiter. Das Wetter schlägt um und die Temperatur fällt auf acht Grad Celsius. Ist ok, da unsere Sonnencreme sowieso ausgegangen ist. Wir packen uns warm ein und kämpfen gegen den Wind an. Wir beide sind uns einig: Das schöne am Fahrradreisen ist, dass man nie weiß was einen erwartet, man aber trotzdem irgendwie immer im jeweiligen Moment damit umzugehen weiß.

Heute muss ich auf die Zähne beißen da meine Waden zwischenzeitlich anfangen zu krampfen. Gegen 20:30 Uhr beziehen wir unser Schlafquartier an einem unspektakulären Waldweg, hauen uns noch eine Dose auf den Gaskocher und lassen den Abend mit Öl und Jordnötter ausklingen.

Tag 7- Gullbrandstorp -Falkenberg (40 km)

Wir werden wieder früh von der Natur geweckt. Gegen sechs Uhr kriegen wir Besuch von einem scheuen Elch, der ganz schön laut trampeln kann.

Unser Radlertag beginnt mit der Entdeckung eines witzigen Fahrrads…

Wir cruisen vormittags die immer menschenleerer werdende Küste entlang. Christian macht viele Videos mit seiner neuen Actioncam.

Um Punkt 12:00 Uhr, nach 40 km, erreichen wir Falkenberg. Wir erkennen sofort die Brücke über den Ätran wieder, da wir vor etlichen Jahren einen Schüleraustausch in Falkenberg mitgemacht haben. Wir holen uns zwei Pizzen und relaxen dann lange am Fluss.

Weil es so schön und gemütlich in Falkenberg ist, entschließen wir uns kurzerhand hier zu bleiben und suchen uns eine Bleibe. Nachdem alle Klamotten (und wir) gewaschen sind, entspannen wir bei Kaffee und Öl im Garten hinterm Haus. Nach einer Woche Wildcampen ist das purer Luxus.

Tag 8 – Falkenberg – Särö 120 km

Ausgeschlafen und ausgeruht machen wir uns um acht Uhr morgens auf den Weg. Die Stimmung ist blendend trotz starkem Wind und Regen. Nebenher dudelt unsere Lieblingsplaylist und im nu sind wir gegen 10:30 Uhr in Varberg zur ersten Fikapaus angekommen und haben schon 35 km gesammelt. Unsere Regenausrüstung hat den ersten Härtetest super bestanden.

Heute haben wir Regen satt. In Varberg passieren wir in strömenden Regen die alte Festung. Der Wind lässt das Meer nur so in die Brandung preschen, dass wir fast eine kalte Dusche bekommen. Ich bin voll in meinem Element.

Es rollt trotzdem gut. Wenn der Regen zu stark wird, stellen wir uns immer wieder in Bushaltestellen unter.

Nach 85 km machen wir Pause in einer alten Schutzhütte. Wir kochen Kaffee, essen Frallor und trocknen unsere Regenkleidung.

Anschließend fahren wir wir noch weitere 35 Kilometer. Wir haben heute Schwierigkeiten einen Schlafplatz zu finden, da die Küste vor Göteborg dicht besiedelt ist. Auf einem kleinen, von einem Waldbrand gezeichnetem Hügel werden wir fündig. Wir kochen ein letztes mal gemeinsam Abendessen. Morgen werde ich die Fähre von Göteborg nach Kiel nehmen und Christian wird landeinwärts weiter radeln.

Tag 9 – Särö – Göteborg (35 km)

Ich packe ein letztes mal mein Zelt zusammen. Im Baum trocken unsere Innenzelte am schnellsten.

Bei morgendlich frischen Temperaturen rollen wir langsam die letzten 30 Kilometer nach Göteborg. Wir treffen unterwegs die Fähre, die mich später wieder nach Deutschland bringt. Auf der Außenterrasse eines Cafés, mit imposantem Blick auf die Älvsborgsbron, machen wir die letzte gemeinsame Fikapaus. Bestellen auf schwedisch klappt jetzt schon ganz gut.

Am Göteborger Central Bahnhof verabschieden wir uns. Für Christian geht das Abenteuer noch weiter.

Ich habe noch einige Stunden Zeit und rolle langsam durch Göteborg, esse Mittag im Hafen und lasse mich von der Stadt lenken. Ohne Ziel cruise ich umher und entdecke hier und da einige interessante Orte.

Ich entschließe mich dann im Schritttempo zum Fährterminal zu fahren, checke ein und lerne noch zwei nette Angler aus Deutschland in der Autoschlange vor der Fähre kennen. Meine Schiffskabine fühlt sich an wie purer Luxus.

Tag 10 – Kiel – Hamburg (100 km)

Um 09:15 Uhr legt meine Fähre in Kiel an und ich fahre kurz darauf von Bord. In Kiel ereilt mich erstmal ein Kulturschock. Es gibt kaum fahrbare Radwege und überall liegt Müll. Natürlich wird dieser Eindruck von meinen frischen Eindrücken aus den schwedischen Küstenstädten verstärkt.

Da ich mich auf zuhause und meine Familie freue, möchte ich heute zügig heimfahren. Nach 20 Kilometern, kurz vor Neumünster steure ich eine der wenigen Bäckereien an. Es ist 10:55 Uhr. Ich bestelle einen Kaffee und zwei Brötchen und werde leider informiert, dass ich um 11:00 Uhr wieder gehen muss, da dann geschlossen wird. Es ist Sonntag. Also schnell runter mit dem Kaffee und wieder raus vor die Tür. Genau in diesem Moment setzt hollywoodreif der Regen ein. Ich ziehe schnell meine Regenkleidung an und mache mich auf den Weg nach Süden.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Ich ziehe die restlichen 80 km im Regen, ohne weitere Pause durch und komme glücklich und sehr erschöpft gegen 16:30 Uhr zuhause in Hamburg an. 

Mein Fazit

Die Fahrradreise entlang der schwedischen Westküste war grandios. Wir hatten für die Jahreszeit tolles Wetter und die Stimmung war gut. Unsere Wildcampingplätze und deren Suche war ein schönes Abenteuer. Wir haben nur wenige Touristen getroffen und sind auch immer wieder mit freundlichen Schweden ins Gespräch gekommen. Hier half natürlich, dass Christian nahezu perfekt Schwedisch spricht.

Unsere Ausrüstung war minimalistisch genug um noch relativ leicht unterwegs zu sein. Es hat uns aber trotzdem an nichts gefehlt. Nächstes mal nehmen wir wahrscheinlich noch weniger Kram mit. Mein alter Trekkinghobel hat gut durchgehalten. Ich freue mich aber darauf, die nächsten Reisen wieder mit einem sportlicherem Fahrrad zu machen.

Der Kattegatleden zeichnet sich durch eine sehr abwechslungsreiche Routenführung aus. Die Strecke wurde im Vergleich zu anderen Fernradwegen kein einziges mal langweilig. Es wurde ein schöne Mischung aus Natur und Kultur, sowie Asphalt, Schotter und Waldwegen gefunden. Der Weg ist unfehlbar ausgeschildert und wir haben auch immer wieder auf die Route zurück gefunden, wenn wir mal abseits gefahren sind.

Im Vergleich zum restlichen Schweden ist die Westküste ehr dicht bevölkert, was ein unberührtes Naturerlebnis nicht möglich macht. In der Göteborger Region war es uns zum Beispiel schwer direkt an der Küste zu zelten. Dafür ist die Versorgungslage sehr praktisch. Wir mussten keine Lebensmittel mit uns rumtragen. 

Der einzige Wermutstropfen war, dass unser dritter Kompagnon Erik dieses Jahr leider nicht dabei sein konnte.

Daumen hoch für den Kattegatleden!